Eisenbahnverkehr / Hafenhinterlandanbindung
Auf Grund eines Gutachtens aus dem Jahr 2008 zur Hafenhinterlandanbindung im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung wurden umfangreichen Baumaßnahmen zur Ertüchtigung der Eisenbahnlinie Bremerhaven-Bremervörde-Rotenburg in Planung gegeben, um die anstehenden Kapazitätsengpässe im Schienengüterverkehr durch Nutzung der teils nur wenig befahrenen Nebenstrecken in Norddeutschland zu umgehen. Allein im Großraum Hamburg werden bereits heute pro Tag 208 Züge vom Streckennetz aufgenommen für das Jahr 2015 ist bereits von 400 Zügen nach Prognosen der Deutschen Bahn auszugehen. Im Zeitraum von 2015 – 2025 wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet auch und gerade unter Einbeziehung der Güterverkehrsströme der Bremischen Häfen bzw. des Jadeports.
Im Rahmen der Konjunkturpakete des Bundes beantragte die EVB Fördergelder, um die 85 Kilometer lange Strecke von Bremerhaven über Bremervörde und Zeven bis nach Rotenburg/Wümme auf 74 Kilometern für den Containerverkehr zu erneuern und sie zukünftig mit 22,5 Tonnen Achslast befahren zu können. Die hierfür erforderlichen Geldmittel stammen dabei sowohl vom Land Niedersachsen und der EU als auch aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung. Nach Fertigstellung ist die nichtelektrifizierte eingleisige Strecke von Bremervörde bis nach Rotenburg/Wümme mit 80 km/h befahrbar. Von Planungsbeginn bis zum Abschluss der Umbaumaßnahmen vergingen dann lediglich 20 Monate. Insgesamt wurden rund 40 Millionen Euro veranschlagt - davon 22 Mio. EUR auf dem Abschnitt zwischen Rotenburg und Bremervörde. Diese Gelder beinhalten aber nicht nur den Oberbau sondern auch die Bahnübergänge und die Neuausstattung mit Lichtzeichenanlagen, wenn dort bisher nur ein Andreaskreuz vorhanden war. Zudem mussten zahlreiche Brücken neu gebaut oder aber zumindest ertüchtigt werden und zur maximal möglichen Auslastung wurden Kreuzungsbahnhöfe errichtet, damit mehr Züge pro Zeiteinheit auf die Schiene bekommen. Die Förderung war mit der Auflage verbunden, die Arbeiten bis Ende November 2010 abzuschließen.
Von den bislang 64 Übergängen auf der Strecke von Bremerhaven nach Rotenburg sollten neun künftig mit Schranken und 27 mit Lichtzeichenanlagen gesichert werden. Elf Bahnübergänge sollen nur noch von den Eigentümern der anliegenden Flächen genutzt werden können – mit Hilfe einer abschließbaren Schranke. 17 Übergänge sollen aufgehoben werden.
Die Gemeinde Elsdorf ist von der Ertüchtigung gleich in mehrfacher Hinsicht betroffen. So wird mit steigendem Güterverkehr auf der Strecke auch mit einer erhöhten Lärmbelastung zu rechnen sein. Die Bahntrasse liegt nahezu parallel zur neuen L131 und damit westlich von Elsdorf und liegt deutlich über dem Geländeprofil. Künftig soll auf der Strecke pro Stunde etwa ein Zug fahren - statt bisher drei Züge pro Tag (!). Auch die Länge der Züge und die Geschwindigkeit wird im Zuge der Streckenertüchtigung zunehmen. Die hieraus resultierenden Beeinträchtigungen für die Wohnbebauung sind nicht abzuschätzen.
Zudem beschloss die EVB einen von den drei vorhandenen Bahnübergängen in der Gemeinde Elsdorf zu schließen. In Absprache mit dem Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen - Regionaldirektion Verden (LGLN)legte die EVB sich frühzeitig auf den Übergang „Bruchweg / Kläranlage“ wegen des Flurbereinigungsverfahrens und dessen Auswirkungen fest. Und das, obwohl dieser im Verfahren zur L131 als planfestgestellt zu erachten war. Somit wurde der Ortslage Elsdorf eine Möglichkeit zu Naherholung genommen und den Landwirten eine Möglichkeit die Eisenbahn Richtung Westen zu passieren, denn fortan sollten die Flächen jenseits der Eisenbahnlinie bzw. der Umgehungsstraße nicht mehr erreichbar sein.
Als Ausgleich wurde die Bitte des Gemeinderates an die Vertreter des Flurbereinigungsverfahrens herangetragen, im laufenden Verfahren Flächen für mögliche Naherholung (Rad- und Wanderwege) bzw. für möglichen späteren Lärmschutz entlang der neuen L131 bereitzustellen. Inwieweit dies tatsächlich gelingt, wird sich noch zeigen und vor allem von den Geschicken der LGLN bzw. Herrn Stührmann abhängen.
Wie wichtig der bereits im Zuge der Ortsumgehung von Seiten der WFB und SPD angestrebte Lärmschutz mit einem Lärmschutzwall oder besser „Landschaftswall“ ist, zeigt sich auch und gerade durch die Ertüchtigung der EVB-Linie. Immerhin fahren an Elsdorf bis zu(!) lange Güterzüge mit bis zu 80 km/h vorbei. Geräuschlos wird das bei einer Frequenz von 1 Zug pro Stunde bei Tag und auch bei Nacht wohl nicht ablaufen...